Im Gespräch mit Caroline Régnard-Mayer

Die Autorin Caroline Régnard-Mayer beschreibt in ihrem dritten Roman „Mademoiselle klopft an meine Tür!“, ihren Weg aus der Depression. Der insgesamt 25 Jahre andauerte.


Du hast ein Buch über das Thema Depression geschrieben. Diese Krankheit betrifft dich selber, ja?

Meine erste Depression hatte ich mit ca. 21 Jahren, zum Glück hielt der Spuk nicht sehr lange an und durch eine Psychotherapie konnte ich sie sehr gut in den Griff bekommen, auch nach meiner ersten Fehlgeburt fiel ich in ein sehr tiefes depressives Loch. Nach der Diagnose Multiple Sklerose 2004 begann ich mit dem Medikament Interferon, das eine Depression auslöste. Zu dieser Zeit hatte ich schon psychologische Unterstützung und durch die Einnahme eines Antidepressiva bekam ich dieses Tief nach vielen Monaten in den Griff, stürzte aber nach Absetzen des Antidepressiva wieder in ein schwarzes Loch. Ich entschloss mich dann, das MS-Medikament zu wechseln, da ich trotz Interferon ständige Schübe hatte. Die Depression verschwand. In meinem zweiten Buch schreibe ich über dieses Thema, da fast 80% der MS-Betroffenen von leichten bis schweren Depressionen betroffen sind. Mein drittes Buch habe ich ganz “meiner” Depression gewidmet. Ich beschreibe meine Auslöser, die Monate des Nebels und der Gelähmtheit und mein Weg aus der Depression. Ich nannte sie “Mademoiselle”, der schwarze Humor kommt in diesem Buch nicht zu kurz!

Hat sich seitdem im Umgang mit Freunden, Bekannten, Beruf viel geändert?

Seit 2005 bin ich wegen der MS berentet, aber früher im Beruf hatte ich enorme Probleme, da ich als MTA in Schichtdienst arbeitete. Ich konnte es aber immer gut verstecken. Meine Eltern können mit dieser Krankheit nicht umgehen, aber besser mit meiner MS. Sie können sich diese absolute Handlungsunfähigkeit und diese Leere nicht vorstellen. Zum Glück habe ich gute Bekannte und Freunde, die mich bedingt auffangen können, zumindest leihen sie mir ihr Ohr. Lach!

Schreibst du unter einem Pseudonym, oder stehst du hinter deinem Buch/deinen Büchern?

Ich stehe zu dem, was ich schreibe und tabuisiere nichts, auch die vielen negativen Dinge, welche die Multiple Sklerose mit sich bringt wie körperliche Einschränkungen, aber auch die Depression hat viele Schattenseiten. Ich möchte ehrlich zu mir und meinen Lesern sein.

Es zeugt von viel Mut ein Buch über eine Krankheit zu schreiben, die einen selbst betrifft. Bist du damit je auf Granit gestoßen oder hast du stets damit diejenigen erreicht, denen das Thema ohnehin schon bekannt war?

Ich erreichte immer die Menschen, die davon betroffen sind oder deren Angehörige, die sich informieren wollen. Da ich viele treue Leser habe, konnte ich bei meinem dritten Buch über meine Depression viel Verständnis bekommen und ihnen zeigen, dass man nicht ganz alleine mit solch einer Krankheit ist. Jeder empfindet seine dunklen Tage etwas anders und die Auslöser sind verschieden, aber der Austausch untereinander ist für jeden hilfreich. Auch ich klammere mich in solchen Zeiten an jeden Strohhalm und nehme gerne eine mir reichende Hand. Stoße ich bei jemanden auf Granit , wende ich mich ab, da diese Menschen mir Energie nehmen, die ich durch zwei Krankheiten und meinem Leben eh nur bedingt habe. Das wichtigste sind meine Kinder, für die ich meine ganze Kraft brauche, nachdem ihr Vater, mein geschiedener Mann vor Tagen verstorben ist.  Aber die Erkenntnis des Loslassens, habe ich auch erst lernen müssen, es war ein steiniger Weg, aber es hat sich gelohnt. Und das Schreiben räumt meine Seele auf.

Wie gehst du inzwischen mit dieser Krankheit um?

Zu Beginn dieses Jahres, als ich noch in der Depression fest saß und schon ein schwarzes Jahr mit Gelähmtheit, trübe Gedanken und Hoffnungslosigkeit hinter mir hatte, das dritte Antidepressiva und unzählige Stunden bei meiner Psychotherapeutin, griff ich zur Selbsthilfe. Nach dem Motto: Wenn dir keiner helfen kann, dann musst du dir selbst helfen! So entstand mein drittes Buch und meine imaginäre Mademoiselle. Trotz diesen zwei Erkrankungen sehe ich das Leben positiv und mache das, was mir gut tut. Ich bin selbstbewußter geworden und auch meinen Humor lasse ich mir nicht nehmen, sonst könnte ich mich ja gleich aufgeben. Die vielen positiven Rückmeldungen meiner Leser sind Balsam für meine Seele und mich macht es glücklich, dass sie sich in meinen Büchern finden konnten über ähnlich erlebtes.

Ist die Art deiner Mitmenschen mit dir umzugehen anders, seitdem sie wissen, dass du psychisch krank bist?

Nein überhaupt nicht, da alle, die Rat bei mir suchen, offen mit mir über alles sprechen können. Und ich finde Gehör und Anteilnahme bei ihnen.

Was sagst du den Menschen, die dich belächeln oder die überhaupt nicht wissen, was es bedeutet unter dieser Krankheit zu leiden?

Solche Menschen ignoriere ich, da sie Zeit und Kraft kosten.

Möchtest du abschließend noch etwas an diejenigen richten, die glauben, dass es nicht mehr bergauf geht?

In meinem dritten Buch zeige ich meinen Weg, wie ich aus der Depression  gestärkt hervor ging und den Ein- bzw. Auszug meiner Mamsell. Am besten nachlesen J, was zuerst schwarz-grau war, wird bunt. Solch eine Depression zu bewältigen ist kein leichter Weg, aber es gibt Menschen, die einem zur Seite stehen, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, würde ich jedem ans Herz legen. Es gibt im Leben immer noch etwas Schönes und Positives zu entdecken und gerade in den schlechten Zeiten des Tiefs einen Schritt vor den anderen, sich Zeit lassen und versuchen sich kleine Ziele zu setzen. Nicht alle können wir jetzt anfangen auch Bücher zu schreiben, aber z.B. Listen mit Pos/Neg und dann nach vorne blicken. Nicht zurück, denn das können wir eh nicht mehr ändern. Mein Motto: Wandere der Sonne entgegen, und du lässt den Schatten hinter dir.

Wie definierst du Suizid, Selbstmord, Freitod?

Mit meiner MS kam ich irgendwie immer zurecht, mal mehr, mal weniger. Aber während meiner Depressionen waren Suizidgedanken immer wieder präsent. Ich überlegte auch über Möglichkeiten , was wäre wenn. Aber der Gedanke an meine Kinder hinderten mich daran, denn das könnte ich ihren kleinen Seelen nicht antun. Es kostet viel Überlebenskraft und sind entsetzliche Gedanken, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Während meiner Beziehung mit einem manisch-depressiven Partner erlebte ich die Achterbahn der Gefühle in allen Facetten. Ich verurteile heute niemanden mehr, der keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Dein Lebensmotto/Leitspruch?

Andere Menschen leben lassen, wie sie möchten, ihnen mit Respekt und Anstand zu begegnen, versuchen das Leben mit Humor und einem Lächeln zu begegnen. Mademoiselle nur noch einen Espresso kochen und sie dann sanft vor die Tür zu setzen. 

Kurzbeschreibung:

Mademoiselle, so nannte die Autorin ihre Depression und fand mit ihr einen Weg zur Selbstheilung. Die Autorin beendete die Beziehung mit ihrem manisch-depressiven Partner, nachdem in ihrem Kopf irgendwann die Reizweiterleitung gekappt wurde, die Synapsen spielten nach ihren Regeln. Depressionsalarm in Stufe rot! – Mademoiselle wurde benachrichtigt und zog unaufgefordert bei der Autorin ein. Das Buch reflektiert mit einem Lächeln, Wut, Trauer, schwarzem Humor und einer Überraschung diesen Besuch bzw. Einzug! Das schwarz gekleidete Fräulein hat ihr geholfen, die Ziele und Wünsche der Zukunft neu auszuloten. Verweigern Sie, liebe Leser, ihrer Mademoiselle nicht die Tür!

»Das Buch ist eine Lebenshilfe für alle, die sich mit Depressionen auseinandersetzen müssen!«

 

 

 

Mademoiselle hat eine eigene Seite bei Facebook

Weitere Infos rund um Caroline Régnard-Mayer, die Krankheit Multiple Sklerose sowie ihre Bücher, gibt es hier. http://frauenpower-ms.jimdo.com/

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